Gutes von Mutter Natur


Der Schlafalm Wildkräuter - Blog.

Traditionsreich und wirkungsvoll begegnen uns die Wildkräuter in der Schlafalm-Alpenheimat. Oft wachsen sie nicht nur dort, sondern auch hier im Rheinland, wo die Schlafalm zu Hause ist. Folgen Sie uns zu den interessanten Geschichten rund um die wilden Kräuter von Mutter Natur. Erfahren Sie, wie die Volksheilkunde die Pflanzen seit vielen Generationen einsetzt und was sich daraus auch Leckeres zubereiten lässt. Küchenrezepte inklusive!


Große Brennnessel (Urtica dioica)

Die Kämpferische für unser Wohlbefinden

Wer kennt sie nicht, die ganz zu Unrecht als „Unkraut“ verschriene Wildpflanze. Freuen wir uns, dass sie weit verbreitet, auch im Schlafalm-Alpenraum, bis auf Höhen von 1.800 m anzutreffen ist. Sie gehört zu den wertvollsten Wildkräutern, die den Menschen schon seit vielen Generationen mit Kraft und Hilfe zur Seite stehen. So gut ihre wohltuenden Inhaltsstoffe für unser Wohlbefinden sein können, so groß ist der Bogen, den die meisten schon seit ihrer Kindheit um die Pflanze wegen ihrer wehrhaften Brennhärchen ziehen.

In früheren Zeiten wurden die Kräuterpflanzen nach ihren Charakteren in kühlend und wärmend, in feucht und trocken und zudem den Planeten zugeordnet. Danach war die Brennnessel eine Marspflanze, wehrhaft und hitzig wie der Kriegsgott Mars. Wer ganz genau hinschaut, oder noch besser eine Lupe nimmt, der erkennt die zarten aber sehr spröden Brennhärchen, die wie Kanülen arbeiten und bei der kleinsten Berührung brechen können. Dann kann die Brennflüssigkeit austreten, was als unangenehm empfunden, letztlich nicht schlimm ist und durch eine spezielle Pflückmethode auch weitgehend vermieden werden kann. Letztlich können auch Handschuhe und Schere helfen. Wir sollten Sie auf keinen Fall links liegen lassen, denn Sie hilft uns in vielen Gelegenheiten und schmeckt sogar gut in der Wildkräuterküche. Als Stickstoffanzeiger ist sie ein Kulturfolger und wächst gerne nahe menschlicher Besiedlung, früher oft in der Nähe von Bauernhöfen und Viehweiden, unweit den längst verschwundenen Misthaufen.

Sie ist nicht nur wohlschmeckendes wildes Grün für uns, sondern auch Raupen-Futterpflanze für Tagfalter wie den Admiral, den Kleinen Fuchs oder das Tagpfauenauge. Wer die Schmetterlinge liebt aber die Brennnessel verachtet, der weiß wenig um die ökologischen Wechselwirkungen.

Für uns ist die Brennnessel schon seit alters her ein probates Mittel bei Blasen- und Harnwegsleiden, bei Eisenmangel, Hautunreinheiten und Haarproblemen gewesen. Sie gehört wie der Löwenzahn, der Giersch oder die Birkenblätter zu den ausleitenden Pflanzen und passt deshalb wunderbar in eine Frühjahrskur, die den Organismus quasi vom angesammelten Wintermuff befreit und reinigend wirkt. Dazu trank man früher kur mäßig Brennnesseltee über mehrere Wochen oder aß einfach auch die jungen Triebspitzen als Wildgemüse oder in einer wirklich leckeren Brennnesselsuppe.

Die geht übrigens ganz einfach:

 

Brennnesselsuppe

Für vier Personen eine kleine Zwiebel schälen und fein hacken. Ebenfalls eine mittelgroße Kartoffel in gleicher Weise. Diese beiden in einem Topf in etwas Butterschmalz glasig anbraten und dann mit gut einem Liter Gemüsebrühe ablöschen und zugedeckt rund 15-20 Minuten köcheln lassen. In der Zwischenzeit gut zwei Hände voll junger Brennnesselblätter (am besten immer die 2-3 obersten Blattpaare abknipsen) kurz in heißes Wasser tauchen und dann sofort wieder in kaltem Wasser abschrecken, danach gut ausdrücken und klein schneiden. Die gehackten Brennnesselblätter in die Suppe geben und alles nun mit einem Zauberstab oder im Mixer kräftig pürieren. Die Suppe wird schön grün. Dann mit 200 ml Sahne auffüllen und mit Salz, Pfeffer und etwas Muskat abschmecken.

 

Wer möchte kann in Butter angeröstete knusprige Weißbrotwürfel und einen guten Klecks geschlagene Sahne auf die angerichteten Suppenteller geben und auftragen.

 

Ganz wichtig bei allen Wildkräuterpflanzen!

 

Immer nur die Pflanze pflücken, die man eindeutig bestimmen kann. Hände weg, wenn man sich unsicher ist! Bitte auch nur die notwendige Menge mit Bedacht da pflücken, wo es erlaubt ist und wo keine schädlichen Umwelteinflüsse auf die Pflanze einwirken konnten.


Giersch (Aegopodium podagraria)

Viel besser als sein Ruf

Kommt die Rede auf den Giersch, so fangen viele Hobbygärtner an zu stöhnen. Diejenigen, die ihn ungewollt im Garten haben, wissen um seine äußerst vitalen Wuchskräfte, die sich im Garten mehr oder weniger stark entfalten. Ist er einmal da, wird man ihn nur sehr selten wieder los. Seine bis zu 50 cm langen Wurzelausläufer verleihen ihm Beständigkeit, die dem  Gärtner Falten auf die Stirn treibt. Dabei ist er durchaus hübsch anzusehen. Sein frisches Grün im Frühling, das Richtung Sommer dann auch weiße luftige Blütenschirme entwickelt. Er liebt eher die feuchten, schattigen Bereiche und bevölkert dann durchaus größere Bereiche. Vielleicht sollten Gartenbesitzer einfach ihre Einstellung zu dem jungen Wilden ändern und seine großen Stärken in Küche und Volksheilkunde betrachten. Ganz der Devise: nicht ärgern, sondern einfach gnadenlos wegessen!

Der Giersch, auch mitunter Geißfuß aufgrund seiner Blattform genannt, hat Kraft und zeigt seine Vitalität im Garten ebenso wie in seiner Verwendung. Im Frühling sind seine jungen Blätter noch weich und erinnern in ihrem Geschmack an eine Mischung aus Möhre und Petersilie. Schließlich ist er auch mit den beiden verwandt, gehören sie doch alle zur großen Familie der Doldenblütler. Wie in jeder Familie gibt es auch hier einige sogenannte „schwarze Schafe“, die niemals in einen Kräutersammelkorb geraten dürfen. Der gefleckte Schierling, der Wasserschierling  und die Hundspetersilie sind äußerst giftig. Genaues Erkennen ist daher erstes Gebot bei Wildkräutersammlungen und gerade die vielen wilden Doldenblütler, wozu auch die wilde Möhre oder der Wiesenkerbel, der Wiesenbärenklau und die Engelwurz gehören, sind selbst für erfahrene Kräutersammler manchmal erst nach genauem Blick im jungen Stadium zu unterscheiden.

Der Giersch gehört in seiner Familie zu den echten „Powerfood“- Gewächsen, denn seine Inhaltsstoffe haben es in sich. Er ist reich an Eisen, Vitamin A und Magnesium und wird in der Volksheilkunde auch seit langer Zeit bei Gicht eingesetzt. Er soll harnsäurelösend, entwässernd und entzündungshemmend wirken und ist daher auch als Gichtkraut oder Zipperleinskraut im Volksmund bekannt.

In der Küche ist er aufgrund seines Aromas vielfältig einsetzbar. Er passt wunderbar in grüne Smoothies, wo er viel Chlorophyll und weitere Vitalstoffe spendet, bringt aber auch in Wildkräuterpestos und Salaten sein Aroma zum Ausdruck. Als Wildgemüse, ähnlich wie Spinat verwandt oder auch in Backwaren wie dem Giersch-Focaccia-Brot schmeckt er würzig-grün.

Und hier ist das Rezept dazu:

Giersch-Focaccia-Brot

Um das Brot zu backen, werden lediglich wenige Zutaten benötigt. Es ist schnell und unkompliziert zubereitet und schmeckt richtig lecker. Für eine größere Teigmenge von zwei Broten werden 800 g Weizenmehl und 24 g Salz miteinander vermischt. 1 Würfel frische Hefe zerbröckeln und mit etwas Zucker und 100 ml lauwarmem Wasser anrühren und zum Mehl geben. Einfach in die Mitte des Mehls gießen und langsam mit etwas Mehl zu einem Vorteig verrühren. Während dieser geht, werden gut zwei Hände voll Giersch und ½ Bund Petersilie klein geschnitten. Die Menge abwiegen und dann bis auf 420 ml Menge mit Wasser auffüllen. Wasser mit Kräutern intensiv durchmixen bis eine schöne, grüne und  homogene Masse entstanden ist. Zusammen mit 100 ml Olivenöl zum Mehl geben und einen geschmeidigen Teig kneten. An einem warmen Platz abgedeckt etwas ruhen lassen und dann in einer gefetteten Form (z.B. Kastenform oder Quadrat) bei 180°C vorgeheiztem Ofen rund 30 Minuten backen. Am besten danach Holzstäbchenprobe machen, ob der Teig gar ist. Auskühlen lassen, stürzen und genießen!

 

Ganz wichtig bei allen Wildkräuterpflanzen!

 

Immer nur die Pflanze pflücken, die man eindeutig bestimmen kann. Hände weg, wenn man sich unsicher ist! Bitte auch nur die notwendige Menge mit Bedacht da pflücken, wo es erlaubt ist und wo keine schädlichen Umwelteinflüsse auf die Pflanze einwirken konnten.


Gundermann (Glechoma hederacea)

Das Kräutlein gegen bösen Zauber

Der Gundermann ist ein alt bekanntes Heilkraut, das auch an vielen Stellen in der Schlafalm-Alpenheimat, in naturnahen Gärten und in freier Natur wächst. Bereits bei unseren vorchristlichen Vorfahren stand die kriechende und mitunter auch rankende Pflanze in hohem Ansehen, wurden ihr doch Schutzkräfte vor allerlei Bösem zugeschrieben. Hildegard von Bingen lobte das Kraut für seine gesunden Eigenschaften und in der Volksheilkunde werden bis heute seine zahlreichen positiven Wirkungen geschätzt. Als sogenanntes „Gundkraut“ zeigt es schon von seinem Namen her den Einsatz an. Mit „Gund“ wurde vor langer Zeit der Eiter bezeichnet. Es sollte also beispielsweise bei eitrigen, entzündlichen Beschwerden und schlecht heilenden Wunden helfen. Linderung sollte die Gundelrebe, wie sie auch genannt wird, bei Husten und Bronchitis schenken, in dem man den Tee trank oder damit inhalierte. Aber auch bei Ohren- und Zahnschmerzen, so erzählt die Volksheilkunde, mag die Pflanze Erleichterung schaffen.

So alt die Verehrung des eigentlich unscheinbaren Kräutleins ist, so viele Geschichten und Zauber ranken sich um seine Blätter und blauvioletten Blüten. Als Schutzpflanze sollte es vor Hexen und bösen Geistern schützen. Dem germanischen Gott Donar geweiht, wurde es auch gegen Gewitter und Blitzschlag eingesetzt. In der Walpurgisnacht wurden aus der rankenden Gundelrebe, Kränze geflochten, die Schutz aber auch Hellsichtigkeit versprachen. Die Kränze dienten aber auch gegen möglichen Milchzauber. Gab in früheren Zeiten die Kuh wenig oder keine Milch, konnte der böse Zauber einer Hexe dahinter stecken, so glaubte man. Abhilfe schaffen konnte das Abreiben der Euter mit Gundermann oder es wurde die Milch durch den Gundermannkranz gemolken.

Der Geschmack von Gundermann in der Küche ist alleine verwandt etwas gewöhnungsbedürftig. Das herb würzige Aroma passt am besten zusammen mit weiteren Kräutern, die gemeinsam verarbeitet werden. Gundermann ergibt mit Giersch, Waldmeister und Minze einen guten Kräutermix um eine Kräuterlimonade anzusetzen.

 

Und so geht sie:

Kräuterlimonade mit Gundermann

Dazu jeweils einige Stängel Gundermann, Giersch, Waldmeister und Minze zusammen zu einem Kräutersträußchen binden und 1 Liter Apfelsaft damit über Nacht im Kühlschrank  aromatisieren. Am nächsten Tag mit Mineralwasser aufgießen und mit Kräutern und Blüten dekorieren.

 

Eine süße-würzige Versuchung:

Gundermannblättchen in Schokolade

Überraschend lecker sind auch Gundermannblättchen, die durch flüssige zartbitter Schokolade gezogen werden. Diese gut abtropfen lassen und anschließend auf einen geölten Teller im Kühlschrank ruhen lassen bis die Schokolade fest ist. Zu Desserts oder als Dekoration von Kuchen und Torten einsetzen. Der Geschmack ist ähnlich den bekannten englischen Schokoladen-Minztäfelchen.

 

Ganz wichtig bei allen Wildkräuterpflanzen!

 

Immer nur die Pflanze pflücken, die man eindeutig bestimmen kann. Hände weg, wenn man sich unsicher ist! Bitte auch nur die notwendige Menge mit Bedacht da pflücken, wo es erlaubt ist und wo keine schädlichen Umwelteinflüsse auf die Pflanze einwirken konnten.


Schwarzer Holunder (Sambucus nigra)

Duftend, wohltuend und voller Anmut

Der Holunder begleitet den Menschen seit alters her und spendet ihm den Segen einer Art natürlichen Hausapotheke. Vor dem Holunder sollte man den Hut ziehen, erzählt eine überlieferte Weisheit, denn seine Gaben gehörten zu den wichtigsten Gesundheitshelfern im ländlichen Raum. Er schützte Haus und Hof, wehrte böse Geister ab und stand in Verbindung zwischen dem Diesseits und Jenseits. Der Hollerbusch, wie er auch in manchen Regionen genannt wird, galt schon den Germanen als heilig, wohnte dort doch die Göttin Holda in ihm. Ob Holda oder gleich Frau Holle, der Bezug zum bekannten Grimm’schen Märchen ist offensichtlich. Auch  die Blüten im Frühling mit ihrem golden scheinenden Blütenstaubregen und die schwarzen Beeren im Herbst,  finden sich symbolhaft in den Figuren der Gold- und der Pechmarie wieder. Hulda oder Frau Holle standen für den Kreislauf des Jahres, für die Jahreszeiten und das Werden und Vergehen.

Früher wurden Holz, Blatt, Beere und Blüte verwandt. Heute konzentriert sich die Nutzung auf die Vitamin-C-haltigen Beeren und die weißen Blütendolden. Im Juni lassen sich die Dolden ernten, deren Duft so charakteristisch für den Frühsommer steht. Gerne werden sie zu Sirup verarbeitet oder aber auch in Teig ausgebacken und mit Puderzucker bestreut als Dessert gereicht. Die Blüten lassen sich in der Erntezeit gut trocknen, um sie dann später im Jahr, wenn die Erkältungszeit droht, zum Einsatz zu bringen. In der Volksheilkunde werden die schweißtreibenden, immunstärkenden  und entzündungshemmenden Eigenschaften angeführt, die bei herauf ziehenden Erkältungen gute Dienste leisten können. Getrocknete Blüten für Holunderblütentee durften deshalb früher in keiner Hausapotheke fehlen. Die schwarzen Beeren nie roh verzehren, sondern immer erhitzen und am besten daraus einen Saft kochen, der wiederum weiter zu Gelees verarbeitet werden kann. Auch der Saft soll nach Aussagen der Volksheilkundler gute Dienste bei Grippe und Erkältungen leisten.

 

Parfum für Frühsommerliche Desserts und Limonaden

Holunderblüten-Sirup

Das schöne, duftig herbe Aroma der Holunderblüte passt wunderbar zu frischen Erdbeeren, die während der Blüte auch Saison haben. Einfach den Obstsalat mit Holunderblütensirup aromatisieren oder auch die Schlagsahne für den Erdbeerkuchen damit verfeinern. Für das Sirup werden in gleicher Menge Wasser und Zucker aufgekocht (bspw. 1kg Zucker auf 1 L Wasser). Sirup lauwarm abkühlen lassen und dann die Blüten ohne Stängel von rund 15-20 Dolden hinzufügen. Nach Geschmack 2-3 Biozitronen in Scheiben geschnitten oder 1-2 EL Zitronensäure hinzugeben und gut umrühren. Kühl mind. 1 -2 Tage durchziehen lassen. Dann abfiltern, kurz einmal aufkochen lassen und sofort in sterile Flaschen abfüllen.

 

Für sommerliche Blattsalate

Holunderblüten-Essig

Ein Holunderblütenessig ist schnell selbst zubereitet und gibt grünen Blattsalaten einen sommerlichen Geschmack. Dafür einen guten Essig, beispielsweise einen weißen Balsamico verwenden und auf rund 700 ml Essig 6-8 frische Holunderblütendolden rechnen. Dazu die Blüten von den grünen Stängeln mit einer feinen Schere abschneiden. Die Blüten generell nur sanft ausschütteln und nicht waschen, da dies die Aromen beeinträchtigen würde. Sammeln an sauberen Stellen versteht sich von selbst! Ca. 14 Tage die Blüten im Essig ziehen lassen und dann durch einen Kaffeefilter oder feines Sieb abfiltern.

 

Ganz wichtig bei allen Wildkräuterpflanzen!

 

Immer nur die Pflanze pflücken, die man eindeutig bestimmen kann. Hände weg, wenn man sich unsicher ist! Bitte auch nur die notwendige Menge mit Bedacht da pflücken, wo es erlaubt ist und wo keine schädlichen Umwelteinflüsse auf die Pflanze einwirken konnten.


Spitzwegerich (Plantago lanceolata)

 

Nicht nur im Alpenraum ist der Spitzwegerich in der Volksheilkunde hochgeschätzt. Er kommt verstärkt auf Wiesen und Weiden vor, auch entlang der einstigen landwirtschaftlichen Fuhrwege. Sein naher Verwandter der Breitwegerich liebt es direkt auf den Ackerwegen zu wachsen und nutzte früher die Hufe und Räder von Pferde- und Ochsenkarren zur Verbreitung seiner Samen. Klebrig wie sie waren, hafteten sie rasch an und ließen sich teils meilenweit hinweg tragen. So kam der Breitwegerich auch nach Amerika. Dort wurde er von der Urbevölkerung als der „Fußtritt des weißen Mannes“ bezeichnet, folgte seine bis dato nicht vorhandene Verbreitung doch den Siedler-Trecks in die neue Welt.

Der Spitzwegerich gehörte schon bei unseren vorchristlichen Vorfahren zu den hoch verehrten Pflanzen. Die Endung „-rich“ weist in seiner Übersetzung auf „Herrscher“ oder „Fürst“ hin. Er ist also der Fürst, der die Wege beherrscht und auch in längst vergangenen Zeiten den Weg der Menschen ins Totenreich begleitete.

Mit seinen zugeschriebenen heilsamen Kräften ist er seit ewigen Zeiten vielmehr dem gesunden Leben zugewandt. Sein kühlender Pflanzensaft soll bei Wunden und Insektenstichen Linderung verschaffen und die Wundheilung fördern. Unterwegs bei Wanderungen, wenn keine modernen Hilfen zur Hand sind, ist das frisch in der Hand angeriebene Blatt mit seinem feuchten Pflanzensaft die „Erste Hilfe“-Maßnahme in der Volksheilkunde gewesen, wenn ein Insektenstich passierte oder sich Knie und Wade eine Schramme zuzogen. Auch bei Husten und Erkältungskrankheiten soll der Spitzwegerich gute Dienste leisten. Tee oder Hustensirup finden dann Einsatz.

Überraschend ist der Geschmack der noch jungen, geschlossenen, dunklen Knospen. Sie schmecken nach Champignon und können mit den zarten Stängeln zusammen in etwas Butter angedünstet später zum Essen gegeben werden. Gut passen Sie als Wildgemüsebeilage über Kartoffelpüree.

Seine jungen Blätter, die noch nicht die starken, zähen Blattrippen ausgebildet haben, können roh als Zutat eines Wildsalats oder gedünstet als Wildgemüse Einsatz finden.

 

Echtes Power-Food

Spitzwegerich-Apfel-Salat

Dazu werden vier aromatische Äpfel mit roter Schale entkernt und schön klein geschnitten. Dazu kommen zwei Hände voll junger Spitzwegerichblätter, die ebenfalls sehr fein geschnitten wurden. Zuletzt noch eine Hand voll klein gehackter Walnüsse dazugeben. Alles gut vermischen und dann aus etwas Sahne, Apfelsaft, Zitronensaft, Essig, Öl, Pfeffer, Salz und Zucker eine Marinade rühren und den Salat damit mischen.

 

Ganz wichtig bei allen Wildkräuterpflanzen!

 

Immer nur die Pflanze pflücken, die man eindeutig bestimmen kann. Hände weg, wenn man sich unsicher ist! Bitte auch nur die notwendige Menge mit Bedacht da pflücken, wo es erlaubt ist und wo keine schädlichen Umwelteinflüsse auf die Pflanze einwirken konnten.


Waldmeister (Galium odoratum)

Verführerischer Waldgeist

Grazil wirken Blätter und Stängel des Waldmeisters, der gerne auch Maikraut genannt wird und in seinem Namen bereits aufzeigt, wann er gerne genossen werden will. Er gehört zu der Familie der Labkräuter, die den ähnlichen Aufbau von Sternförmig angelegten schmalen Blättern aufzeigen, die in Etagen an den Stängeln sitzen. Der Waldmeister kommt zumeist in lichten Buchenwäldern vor und bildet oftmals ganze Horste, die später im Mai kleine weiße Blütensterne entfalten.

Den Duft des Waldmeisters empfinden wir als angenehm und so gehörte das Kraut in früheren Zeiten zu den „Maria Bettstroh“-Kräutern. Spezielle wohltuend duftende Kräuter wurden gebärenden Frauen in das Lager gelegt, um Entspannung und Beruhigung zu schenken. Sein Duft erinnert an grüne Gräser, ist würzig und charakteristisch, und wird durch das Cumarin in der Pflanze freigesetzt. Frisch geschnitten wirkt der Geruch subtil, seine duftende Kraft zeigt das Kraut erst in angewelktem Zustand. Für die klassische Maibowle wird daher empfohlen, das Kraut einige Stunden vor Nutzung antrocknen zu lassen.

In der Volksheilkunde wird er bei Kopfschmerzen gerne eingesetzt. Ein Zuviel an Waldmeister kann aber auch zu Kopfschmerzen führen. Wie so oft kommt es auf die Dosis an. Angenehm sind Kräuterkissenfüllungen, die mit dem wohltuenden Duft des Waldmeisters beruhigend und schlaffördernd wirken sollen. Unsere Großmütter schwörten auch auf das getrocknete Sträußchen Waldmeister im Kleiderschrank, um Motten fern zu halten.

 

Fast vergessen…

Die klassische Maibowle

Für die klassische Maibowle wird  ein kleines Sträußchen Waldmeister  gebunden. In eine Bowlengefäß eine Flasche Riesling gießen und den Waldmeister darin einige Zeit ziehen lassen ( je nach Geschmack und Intensität kürzer oder länger, mindestens eine halbe Stunde). 1-2 Esslöffel Zucker in etwas warmem Wasser auflösen und dazu geben (oder alternativ einige Esslöffel Holunderblütensirup). Dann mit eiskaltem Sekt aufgießen. Die leichtere Variante bekommt noch etwas sprudelndes Mineralwasser hinzu.

 

Perfekt mit Erdbeeren

Waldmeistersirup

Um frische Erdbeeren mit Waldmeister zu aromatisieren, wird zuvor ein leckerer Waldmeistersirup gekocht. Dazu werden auf 1:1 Zucker und Wasser aufgekocht und bis zur Sirup artigen Konsistenz weiter geköchelt.  Ist der gewünschte Grad erreicht wird ein kleines Sträußchen Waldmeister hinzu gegeben sowie eine Bio Zitrone in Scheiben geschnitten. Das Ganze vollständig abkühlen lassen und am besten über Nacht gut durchziehen lassen. Dann Zitrone und Kräuter entfernen, nochmals kurz aufkochen, in sterile Flaschen abfüllen und kühl lagern. Die klein geschnittenen Erdbeeren damit aromatisieren. Der Sirup passt auch wunderbar als Basis für frühlingshafte Mixgetränke. Übrigens ist selbst gemachter Waldmeistersirup niemals grün. Das bewirkt nur die grüne Lebensmittelfarbe in Fertigprodukten.

 

Ganz wichtig bei allen Wildkräuterpflanzen!

 

Immer nur die Pflanze pflücken, die man eindeutig bestimmen kann. Hände weg, wenn man sich unsicher ist! Bitte auch nur die notwendige Menge mit Bedacht da pflücken, wo es erlaubt ist und wo keine schädlichen Umwelteinflüsse auf die Pflanze einwirken konnten.


Weitere Wildkräuter in Kürze an dieser Stelle.


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